Selbsthilfe Pyrrolurie
Hämopyrrollaktamurie (HPU) und Kryptopyrrolurie (KPU)
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Beschreibung

1. Medizinische Beschreibung

Bei Pyrrolurie werden die Pyrrole, das sind Abbauprodukte der Häm-Synthese, nicht über die Galle, sondern als HPL (Hämopyrrollaktam) über die Niere ausgeschieden. In Zusammenhang damit gerät der Körper in einen Mangel an Vitamin B6 und Zink.
Oft zieht die Pyrrolurie keine schwere Erkrankung nach sich, relativ häufig findet man bei Betroffenen Schilddrüsenprobleme und Glutenunverträglichkeit.
Durch den Mangel an B6 und Zink tritt eine Schwächung des Organismus ein, da diese Stoffe für die Produktion vieler Enzyme, Hormone und Neurotransmitter notwendig sind. Außerdem wird die Umsetzung anderer Verbindungen gestört (z. B. die Konversion der Schilddrüsenhormone), wodurch sich weitere Folgeschäden ergeben.
Betroffen sind vor allem folgende Bereiche:

2. Symptome

Allgemeine Symptome

Frauen

Männer

Kinder

Achtung Unter Diagnose finden Sie Links zu Fragebögen mit umfangreicherer Symptombeschreibung.

3. Äußere Einflussfaktoren

Bei Hinzutritt weiterer Faktoren können sich die durch Pyrrolurie verursachten Gesundheitsprobleme verschärfen.
Dazu gehören z. B.

Außerdem haben viele Betroffene eine erhöhte chemische Sensibilität, reagieren empfindlich auf Belastungen durch:

Achtung Ausführliche weiterführende Informationen findet man in folgendem Kryptopyrrolurie-Wiki, wo auch auf alternative Ansätze wie die Mitochondriopathie von Kuklinski eingegangen wird.
Die Originalbeschreibung von Pfeiffer gibt es bei Orthomedis.
Zur Vertiefung der Materie gibt es einige Bücher: Literatur.

4. Historischer Überblick

In den sechziger Jahren suchten Wissenschaftler in Kanada (Hofer et. al.) systematisch nach den Ursachen von Psychosen und setzten zu dem Zweck Versuchpersonen unter LSD. Dabei entdeckte man im Urin einen Stoff, das Kryptopyrrol. Die Krankheit wird im Englischen auch "mauve factor" genannt, weil ein malvenfarbiger Fleck im Papierchromatogramm entsteht oder "china doll disease", abgeleitet von den chinesischen Puppen mit weißen Gesichtern, da viele Patienten mit Pyrrolurie sonnenlichtempfindlich sind.
Spater fand man heraus, dass auch bei ca. 10% der Frauen und 1% der Männer Pyrrole im Urin vorkommen und dass damit ein Mangel an Vitamin B6 und Zink einhergeht. Die Mehrzahl der Betroffenen sind Frauen.
Kryptopyrrol stellt einen Komplex verschiedener Substanzen dar, von denen die wichtigste und für den B6-Zink-Mangel verantwortliche das Hämopyrrollaktam (HPL) ist, daher auch die Bezeichnung Hämopyrrollaktamurie (HPU).
Medizinisch gesehen gehört die Pyrrolurie als Porphyrinopathie zu den Porphyrien, deren bekannteste die akute intermittierende Porphyrie (AIP) ist (Krankheit der Genies), an der Vincent van Gogh gelitten haben soll und ein Kind von Isabell Allende gestorben ist (worüber die das Buch Paula geschrieben hat).

5. Offizielle Medizin

Im Jahr 2007 erschien im Bundesgesundheitsblatt ein Artikel des Robert-Koch-Instituts:
Die (Krypto-)Pyrrolurie in der Umweltmedizin: eine valide Diagnose?", Link zum PDF.
Voller Interesse habe ich 9 € investiert und mir eine offizielle Kopie über DIMDI besorgt, ich wollte mir schon immer mal eine Studie richtig offiziell bestellen.
Es waren keine neuen Informationen, und wie erwartet ist die Schlussfolgerung der Autoren, dass "keine wissenschaftlichen Belege existieren" und darum die Pyrrolurie nicht weiter erforscht werden braucht. Da wird wohl die Politik gesagt haben: ja nicht noch eine Untersuchung, welche die Krankenkasse bezahlen muss, wir haben schon Stress genug mit unserem pfuschigen Gesundheitsfonds. Ansonsten wärmen die nur die vollkommen veralteten Sachen vom Pfeiffer wieder auf.
Schmunzeln musste ich allerdings an mehreren Stellen:

Beim Online-Lexikon Wikipedia sind die Stichworte "Pyrrolurie" und "Kryptopyrrolurie" gelistet. Im Internet findet man zahlreiche Homepages der Selbsthilfegruppen ...

Die Artikel in der Wikipedia habe ich maßgeblich mit verfasst, inzwischen existiert nur noch der über HPU (siehe Links), und eine der ersten der angeblich "zahlreichen" Homepages war meine hier - und auch die Einzige, die Selbsthilfe im Titel trägt. Also meine Herren, bislang gab es nur eine Selbsthilfegruppe, und die bestand aus mir allein, jetzt haben wir zum Glück einen Verein.
Weiter geht es:

Eine aktuelle wissenschaftliche Literatur zu Pyrrolurie gibt es nicht ...

2005 ist Kamsteegs HPU und dann ...? erschienen, das ist in meinen Augen schon aktuelle Literatur, und im Artikel wird Hämopyrrollaktamurie (HPU) auch als Synonym für die Pyrrolurie angegeben.
Jetzt kommt das Beste:

Die Symptome sind so allgemein, dass sie für fast jeden Menschen, dem es nicht gut geht, zutreffen:
  • Intoleranz gegenüber bestimmten proteinreichen Nahrungsmitteln, Alkohol oder Arzneimitteln.
  • eindeutiger Mundgeruch und Körpergeruch;
  • morgendliche Übelkeit und Verstopfung;
  • schlechte Traumerinnerung;
  • eng sitzende obere Schneidezähne;
  • weiße Flecken auf den Fingernägeln;
  • bleiche, sonnenlichempfindliche Haut;
  • häufige Schmerzen im Oberbauch;
  • haufige obere Atemwegsinfekte;
  • Dehnungsstreifen der Haut (Stretch marks);
  • unregelmäßige Menstruation oder Impotenz;
  • einer der genannten Befunde unter Stress;
  • sie gehören zu einer Familie mit nur Mädchen, die einander ähnlich sehen.

Do legst di nieda. Das ist alles vollkommen normal? Also den Eindruck habe ich gar nicht, egal, ob es nun von der Pyrrolurie kommt oder nicht. Vor allem ist mir vollkommen schleierhaft, wie es dazu kommen soll, wenn es einem schlecht geht, dass man auf einmal eng sitzende obere Schneidezähne, weiße Flecken auf den Fingernägeln, Dehnungsstreifen auf der Haut bekommen soll und außerdem die Brüder urplötzlich verschwinden, dass müsste mir mal jemand erklären. Wenn das also fast jedem so geht, dann ist die Pyrrolurie noch viel weiter verbreitet, als ich bisher dachte.
Noch ein Sprachtipp: ein Attribut bezieht sich auf den letzten Teil einer Zusammensetzung, also nicht "obere Atemwegsinfekte" sondern "Infekte der oberen Atemwege".
Am beindruckendsten an diesem Artikel ist die ellenlange Liste von Wissenschaftlern, die da irgendwie mitarbeiten. 20 hochkarätige Personen unter Führung von Prof. Dr. H. Pzyrembel, keine Ahnung, ob der irgendwie mit dem Pschyrembel zusammenhängt. Es sollte aber keiner denken, dass die selber da was geschrieben haben - das sind Auftragsarbeiten, die lassen die den HiWi erledigen.


Schlussfolgerung:
Schlampig recherchiert oder bewußte Fehlinformation. Aber eins ist klar: Anerkennung bei der offiziellen Medizin kann man auf absehbare Zeit vergessen. Also kann ich nur raten, jegliche Missionierung bei Ärzten zu unterlassen, die richten sich nach so was. Für die es vor allem darum geht, ob alles die Kasse bezahlt, sieht es jetzt natürlich schlecht aus.